Artikel - Kirchen gratulieren zu 50 Jahren EU
Kirchen gratulieren zu 50 Jahren EU
Lehmann und Huber schreiben an Angela Merkel
Vertreter der katholischen und evangelischen Kirche in Deutschland haben sich für eine Fortsetzung der europäischen Einigung und der Arbeit am EU-Verfassungsvertrag ausgesprochen. Den Kirchen sei dieser Einigungsprozess ein großes Anliegen, erklärten der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann, und der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber, in einem gemeinsamen Brief an Bundeskanzlerin und EU-Ratspräsidentin Angela Merkel. Die immer engere Beziehung der europäischen Staaten trage zu Frieden und Gerechtigkeit, Sicherheit und Wohlstand für viele Menschen bei.
Die Kirchenvertreter bestärkten die Kanzlerin in ihren Bemühungen, auf der Basis des vom Europäischen Rat beschlossenen Textes weiter an einem Verfassungsvertrag für die EU zu arbeiten. „Dabei denken wir auch an jene Staaten, die den Entwurf bereits gebilligt haben“, erklärten Lehmann und Huber. Als besonders bedeutend beschrieben sie dabei die historischen, kulturellen und geistigen Grundlagen Europas, die alle wesentlich durch das Christentum geprägt seien: „Zu ihnen gehört unsere europäische Geschichte in ihren Höhen und Tiefen ebenso wie die gemeinsame europäische Kultur, deren herausragenden Zeugnisse uns etwa in Architektur, Literatur, Musik, Kunst und Wissenschaft begegnen.“
Dazu gehöre aber auch ein Verständnis vom Menschen als einer Person, in der Individualität und Sozialität verbunden seien, schrieben Lehmann und Huber: „Diesem Menschenbild verdankt Europa in besonderer Weise seine Identität.“ Es beruhe in erster Linie auf dem christlich-jüdischen Verständnis vom Menschen, den Gott nach seinem Bild geschaffen habe. Daraus ergeben sich den Geistlichen zufolge die unantastbare, unveräußerliche Würde des Menschen und die Notwendigkeit, eine gerechte, solidarische und freiheitliche Gesellschaftsordnung zu gestalten.
Nach Meinung der Kirchenvertreter gehört es überdies zu den Verpflichtungen Europas, für die Gerechtigkeit der Lebensverhältnisse in anderen Regionen der Erde einzutreten. Das christliche Menschenbild schließe die Achtung anderer Kulturen und Sprachen ein, außerdem die Toleranz gegenüber anderen weltanschaulichen Überzeugungen und Lebensformen ein. Das Christentum erkenne die Unterscheidung von Staat und Religion auf der Grundlage gegenseitigen Respekts und die daraus resultierende religiös-weltanschauliche Neutralität des Staates an. „In Würdigung der nach wie vor wirksamen Prägekraft des Christentums sind die christlich-jüdischen Grundlagen Europas auch für dessen Zukunft von entscheidender Bedeutung.“
