Artikel - Hilft der Glaube gegen Krebs?
Hilft der Glaube gegen Krebs?
Deutsche Krebshilfe unterstützt groß angelegte Studie
Besonders in schweren Zeiten besinnen sich viele Menschen auf Gott und Religiosität – ganz im Sinne der Redensart „Gott lehrt beten.“ Experten untersuchen jetzt in einem aufwändigen Forschungsprojekt die Frage, inwieweit Religion, Glauben und andere spirituelle Kräfte dabei helfen können, eine schwere Krankheit zu bewältigen. Die Wissenschaftler untersuchen am Beispiel von unter Darmkrebs leidenden Menschen die Bedeutung der religiösen Bewältigung kritischer Lebensereignisse. Ihr Ziel ist es, die psychosoziale Betreuung von Krebskranken zu verbessern. Die Deutsche Krebshilfe fördert die Studie nach eigenen Angaben mit mehr als 200.000 Euro.
Die meisten der Betroffenen werden von der Diagnose "Krebs" völlig unvorbereitet getroffen. Von einem Moment auf den anderen ändert sich das ganze Leben, nichts ist mehr wie vorher. Dadurch wird bei weiten nicht nur das körperliche Wohlbefinden, sondern auch das seelische Gleichgewicht stark beeinträchtigt. "Untersuchungen zeigen, dass die psychische Verfassung eines Menschen und der Umgang mit seiner Krankheit auch durch seine religiösen Vorstellungen beeinflusst werden", sagt Privatdozent Sebastian Murken, Projektleiter am Forschungszentrum für Psychobiologie und Psychosomatik der Universität Trier. "Manche Menschen zum Beispiel sehen in ihrer Krankheit eine Strafe Gottes. Andere wiederum schöpfen aus ihrem Glauben Kraft und Zuversicht."
In der Studie werden 518 Darmkrebs-Patienten und eine Vergleichsgruppe von 320 gesunden Frauen und Männern durch Fragebögen und stichprobenartige Interviews untersucht. Befragt werden die Teilnehmer der Studie während ihres Aufenthalts in der Klinik und ein Jahr danach. Sie sollen dabei unter anderem Aussagen darüber machen, wie sie ihre Krankheit verarbeiten und bewältigen – und zu ihrer Religiosität. Die Experten der Arbeitsgruppe Religionspsychologie der Universität Trier und der Onkologischen Nachsorgeklinik Nahetal in Bad Kreuznach wollen so herausfinden, welche religiösen Sichtweisen bei der psychologischen Betreuung von Krebs-Patienten künftig berücksichtigt und gegebenenfalls gefördert werden sollten. "Unser Ziel ist es, Krebs-Patienten in Zukunft bei ihrer Krankheitsbewältigung besser unterstützen zu können und die psychosoziale Betreuung zu verbessern", sagt Jürgen Körber, Ärztlicher Direktor der Rehabilitationsklinik Nahetal.
Das Forschungsvorhaben knüpft an die bereits existierende so genannte Stressbewältigungs-Forschung an. Die Stress- und Krankheitsbewältigung wird unter dem Fachbegriff "Coping" zusammengefasst – auch die Bedeutung der Religion dabei wird in den USA bereits erforscht. Im angloamerikanischen Sprachraum ist das so genannte "Religious Coping" inzwischen sogar als eigene Strategie der Krisenbewältigung wissenschaftlich anerkannt. "Im deutschsprachigen Raum wurden bisher nur wenige Studien zu den Zusammenhängen von Religiosität und Gesundheit veröffentlicht", so Forscher Murken. Das von der Deutschen Krebshilfe geförderte Projekt will jetzt die Ergebnisse bisheriger Untersuchungen aufgreifen und das Konzept "Religious Coping" für Deutschland überprüfen. Murken: "Wir erwarten aufschlussreiche Ergebnisse zu diesem bislang kaum erforschten Gebiet.“
