Artikel - Gott ist Liebe

Herz
Papst Benedikt XVI. : "Gott ist Liebe"

Reaktionen auf die erste Enzyklika von Papst Benedikt XVI.

Sie ist auf Lob und verhaltene Kritik gestoßen, sie hat zwar nicht für Sensationen gesorgt - aber viele Menschen überrascht: Papst Benedikt XVI. hat seine erste Enzyklika „Deus Caritas Est“ („Gott ist Liebe“) veröffentlicht. In seinem Rundschreiben stellte er vor allem ein Thema ins Zentrum seiner Überlegungen: die Liebe. Dabei stellte der katholische Oberhirte fest, dass die Liebe das zentrale Moment des Christentums ist – und dass sie nicht aufteilbar ist in körperliche und geistige Liebe. Das politische Machtinstrument der Kirche, so wird deutlich, ist die Liebe.

Eine Enzyklika ist ein kirchliches Rundschreiben, und seit dem 18. Jahrhundert steht der Begriff auch für das Lehrschreiben des Papstes an die gesamte Kirche. Nach katholischer Lehre hat es keinen absolut bindenden Charakter, verlangt aber die Zustimmung der Gläubigen. Eine päpstliche Enzyklika, die in lateinischer Sprache abgefasst wird, beginnt und endet mit segnenden Grußworten.

"In Wirklichkeit lassen sich Eros (begehrende Liebe) und Agape (schenkende Liebe) niemals ganz voneinander trennen", schreibt der Papst im Wortlaut. Immerhin erkennt er damit an, dass es eine erotische Komponente im Liebesbegriff gibt – eine Tatsache, die in der Kirchengeschichte oft verdrängt worden ist. Der Papst orientiert sich inzwischen offenbar stärker auch an seiner Rolle als Seelsorger, versteht sich nicht mehr nur als der strenge Glaubenshüter, der er als Kardinal Joseph Ratzinger war.

Die Beauftragte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Kirchen und Religionsgemeinschaften, Ingrid Fischbach, sagte, mit der
Enzyklika werde deutlich, dass die Liebe das zentrale Moment des Christentums ist: „Aus der Liebe Gottes, die den Menschen voraussetzungsfrei zu Teil wird, entfaltet sich die gesamte humanisierende Kraft des Christentums und die Verantwortung, die Menschen für einander haben“ Der Aufruf zur Mitmenschlichkeit über Parteien und Ideologien hinweg nehme Kirche und Politik in die Pflicht, sich für eine gerechte Weltordnung einzusetzen.

„Feinfühlig und klar setzt sich Papst Benedikt XVI. mit Vorwürfen der christlichen Leibfeindlichkeit auseinander und stellt klar, dass zur gelingenden menschlichen Liebe immer Leib und Seele gehören“, lobte Fischbach den Inhalt der Enzyklika. Die deutlichen Worte des Papstes, dass der Mensch sich selbst entwürdige und weit unter seinen Möglichkeiten bleibe, wenn der Leib zum materiellen Gut degradiert und Sex zur Ware werde, seien zu begrüßen.

Die Unionspolitikerin hob auch die Absage daran hervor, mit dem Namen Gottes Racheakte und die Pflicht zum Hass zu verbinden. „Im Namen Gottes Terrorakte zu verüben, verbietet sich von selbst. Das Christentum hat seine eigene Gewaltgeschichte eindeutig aufgearbeitet.“

Sigrid Grabmeier, Mitglied des Bundesteams der katholischen Basisbewegung "Wir Sind Kirche", sagte der "Leipziger Volkszeitung", sie sehe in der neuen Enzyklika zwar eine hoffnungsvolle Botschaft, es fehle aber ein Bezug zum karitativen Wirken innerhalb der Kirche. "Der Papst spricht stark vom Wirken der Kirche in der Gesellschaft, vom karitativen Helfen in der Welt“, sagte Grabmeier. „Über die Caritas innerhalb der Kirche spricht er leider nicht. Dabei wäre dies nötig, denn innerkirchlich wird diese Liebe oft nicht gelebt."

Nötig sei ein neues Nachdenken, wie Geschwisterlichkeit in der Kirche gelebt werden kann, betonte sie. "Nur wenn man innerkirchlich Liebe praktiziert, was oft nicht der Fall ist, kann man auch glaubwürdig nach außen die Liebe verkünden. Als positiv bezeichnete Grabmeier die ökumenische Wirkung der Enzyklika. "Die Enzyklika erreicht Katholiken wie Protestanten, vielleicht sogar Menschen ohne Gottesbezug. Die Botschaft, dass Liebe etwas Komplettes ist und nicht aufteilbar in körperliche und geistige Liebe, das wird hohe Wirkung haben."